Am Weg (September 2020)

AM WEG

September 2020

In Studentenzeiten überlegte ich zusammen mit einer Weggefährtin, weshalb das Lebensgefühl auf Reisen so frei und glücklich war, während uns zuhause, vor allem im Winter, regelmäßig die Decke auf den Kopf viel. Damals fanden wir viele, allerdings keine vollkommen zufriedenstellenden Antworten. In Zeiten des zunehmenden Reiseverzichts, sei es aus ökologischen oder Corona geschuldeten Beweggründen finde ich es spannend, mich dieser Frage aufs Neue zuzuwenden.

 

Ich erinnere meine Reisen als Erfahrungen von abenteuerlichem Im-Einklang-Sein mit der Welt und mir selbst. Mich treiben zu lassen durch fremde Gefilde, unvertrauten Sprachen lauschend, neue Gerüche und Geschmäcker am Gaumen, alles aufregend und erfüllend zugleich. Frei und glücklich war das, hingegeben an den Moment, neugierig und offenherzig. Welche Tür führt mich hier und jetzt, inmitten meines Alltags zu dieser Lebenserfahrung?

Villeicht braucht es den Mut, das Gewohnte anzuhalten, und damit auch eingefahrene Sicht- und Handlungsweisen. Meiner Erfahrung nach kann die Sehnsucht nach schönen fernen Orten ein Weckruf sein, hier und jetzt im Alltag innezuhalten. Je illusorischer das innere Sehnsuchtsbild scheint, desto größer ist möglicherweise das Bedürfnis nach Unterbrechung und Pause.

 

Einfacher gesagt: Was wäre, wenn ich,  anstatt ein Ideal in der Zukunft zu romantisieren, meine Tage damit beginne, erst einmal innezuhalten? Die kollektive Rastlosigkeit mit Stille beantworte, indem ich mein Dasein im Atem begründe? Mich, wenn auch nur für einige Minuten, hinsetze und das erlaube, was von selbst geschieht, wenn ich nichts tue: Kontemplative Meditation. Nicht neu, aber schön. Und nah an meinem Reisegefühl von damals.

 

All den weisen Menschen vor und um uns sei Dank, dass sie uns alle aufmerksam machen auf die einfache und wundersame Art, in die eigene Tiefe zu sinken. Für mich ist kontemplative Meditation eine Form der überkonfessionelle Friedensarbeit, die immer und jederzeit möglich ist. Die Kunst des nach innen Lauschens und Schauens, freundlich und nicht-anhaftend… wie ein entspannendes Bad im Seelenmeer mit resilienzstärkender Wirkung.

 

Vielleicht kennst du diese Momente, vielleicht auch die Sehnsucht danach. Vielleicht fühlt sich etwas in dir angesprochen. Weiter unten findest du Möglichkeiten, mit mir und Daria auf diese Reise nach Innen zu gehen und ins Fließen zu kommen.